75. Presseball: Glanzpunkt der Hamburger Mediengeschichte

Der Presseball ist weit mehr als ein gesellschaftliches Ereignis. Er ist Ausdruck journalistischer Gemeinschaft, kultureller Offenheit und hanseatischer Haltung. Seit deutlich mehr als einem Jahrhundert bringt er Menschen zusammen, die Hamburgs Öffentlichkeit prägen – schreibend, gestaltend, berichtend, kritisch und verantwortungsvoll.

Mit dem 75. Presseball feiern wir nicht nur einen Ball, sondern eine Institution, die Generationen überdauert, Zeiten des Aufbruchs wie der Krise erlebt und sich immer wieder neu erfunden hat, ohne ihren Kern zu verlieren.

Ein Ball mit Tradition und Haltung

Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1901 zurück. Damals wurde in Sagebiels Etablissement an der Drehbahn erstmals ein Ball für Schriftsteller und Künstler gefeiert – der Ursprung dessen, was später zum Presseball werden sollte. Schon früh verband sich hier gesellschaftlicher Glanz mit journalistischem Selbstverständnis und einer besonderen Nähe zur Stadt.

In den 1920er-Jahren entwickelte sich der Presseball zu einem kreativen Gesamtkunstwerk: Säle voller Karikaturen bekannter Journalisten, mit Zeitungspapier dekorierte Lampen, exotische Details in den Wandelgängen. Der Ball zeigte sichtbar, wofür er stand – für Presse, Öffentlichkeit und Zeitgeist.

Neubeginn nach dunklen Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Presseball, der 1950 ein Zeichen des Neuanfangs setzte. Im Hotel Atlantic tanzte Hamburg wieder – vorsichtig, hoffnungsvoll, aber entschlossen. Der Ball stand dabei nicht nur für Lebensfreude, sondern auch für Solidarität: Die Erlöse der Tombola unterstützten Journalistinnen und Journalisten, die durch Krieg und Währungsreform alles verloren hatten.
Bis heute hat die Stiftung der Hamburger Presse auf diesem Weg mehr als 1,5 Millionen Euro an Unterstützung ausgeschüttet.

Treffpunkt von Medien, Politik und Kultur

Der Presseball war stets gesellschaftlicher Fixpunkt der Hansestadt. Politiker, Künstler, Medienschaffende und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur begegneten sich auf Augenhöhe. Namen wie Heidi Kabel, Axel und Friede Springer, Helmut und Loki Schmidt, Henri Nannen, Inge Meysel, Maria Schell oder Thomas Gottschalk stehen exemplarisch für das breite Spektrum der Gäste.

Gleichzeitig lebt der Presseball von seinen Geschichten: von spontanen Polonaisen, politischen Gesprächen am Rande des Tanzparketts, legendären Musikmomenten – und von der berühmten Tombola, deren Gewinne ebenso überraschend wie unvergessen waren.

Wandel und Kontinuität

Die Spielorte wechselten im Lauf der Jahrzehnte – vom Curiohaus über das Hotel Atlantic bis zum Congress Center Hamburg und dem Grand Elysée und wieder zurück. Mal groß, mal exklusiver, mal experimentierfreudig. Doch unabhängig vom Ort blieb der Anspruch gleich: Der Presseball sollte ein Abend sein, der verbindet, inspiriert und Verantwortung sichtbar macht.

Der 75. Presseball, der am 24. Januar 2026 im Hotel Atlantic stattfindet, steht für diese besondere Verbindung aus Tradition und Gegenwart – für journalistische Werte, gesellschaftlichen Dialog und die Freude am gemeinsamen Feiern.